Die Highlands auf dem Stiftungsland – zottelige Naturschutzhelfer vom feinsten.

In Australien gibt es mehr Kamele als in der Sahara. Hätte man nicht gedacht, oder? In Schleswig-Holstein gibt es mehr Schottische Hochlandrinder als in Schottland – kaum zu glauben!

Für jeden Naturgenüssler ist es der ideale Morgenspaziergang auf dem Stiftungsland: Die ersten Sonnenstrahlen erhellen die nebelbedeckte Landschaft. Die Vögel begrüßen zwitschernd den neuen Tag und zwischen den wabernden
Nebelschwaden und den sich schemenhaft abzeichnenden Weißdornbüschen tauchen die Silhouetten einiger zotteliger Rinder auf. Urig und ihre langen Hörner wie Geweihkronen tragend, stapfen sie durch das taufeuchte Gras, während sich ihr dampfender Atem mit dem Nebel vereinigt.

Sehr viel des Guten, aber nicht unwahrscheinlich, leben doch auf unserem Stiftungland weit über 400 Schottische Hochlandrinder. Während sich die Weidelandschaften und Bunde Wischen den nördlichen und westlichen Teil des Stiftungslandes teilen und dort größtenteils Galloways halten, laufen die Rinder des Highlanderhofes Kiene aus Behrensdorf ab etwa östlich von Kiel bis fast nach Fehmarn auf dem Stiftungsland.

Die kleinen, zotteligen Rinder, die mit verträumtem Blick hinter ihrem hübschen Pony hervorschauen sind wie für das Stiftungsland gemacht. In den feuchtnassen schottischen Highlands und den Inseln der Hebriden herrschen ähnliche Bedingungen wie auf unserem Stiftungsland. Während die wiedervernässten Flächen für viele klassische Rinderrassen zu feucht wären und sie Klauenprobleme bekämen, sind die Schottischen Hochlandrinder, auch mal knietief im Wasser, in ihrem Element. Sie haben große und flache Füße, die es ihnen erlauben, auch auf weichem Untergrund nicht einzusinken. Das wird dadurch verstärkt, dass sie ihre Füße gleichmäßig und flach aufsetzen und wieder anheben. Andere Rassen, wie zum Beispiel das schwedische Fjällrind, rollt den Fuß beim Schreiten über die gesamte Klaue ab und stößt sich am Ende des Schrittes mit der Spitze nochmal ab – eine gute Idee in den Bergen. Im Moor durchstößt man damit aber leicht mal die Grasnarbe und hinterlässt Trittschäden. Interessant, was so alles hinter der Entscheidung zwischen verschiedenen Rassen stecken kann, oder?

Von den Hebriden in den Lanker See

Abgesehen von den besonderen Klauen, vereinen die zotteligen Schotten noch einige weitere essenzielle Eigenschaften, die sie für das Stiftungsland prädestinieren. Typische „Robustrindeigenschaften“ sozusagen. Sie sind widerstandsfähig gegen Witterung, Instinktsicher, bringen ihre Kälber in der Regel selbst zur Welt und können sie auch gut versorgen, sie sind, trotz der Freilandhaltung, sehr Menschenbezogen und verlieren das auch nicht so leicht. Sie sind gelehrig und auch Jahre nach ihren Trainingssessions als Jungrinder noch halfterführig.

Der Highlanderhof Kiene bringt jedes Jahr Tiere mit einer Schubfähre auf Inseln. Zum Beispiel die Insel Probstenwerder im Lanker See. Dafür braucht es genau diese Eigenschaften, wie man sich auch im NDR-Film „Der Highlander“ aus der Reihe „NaturNah“ anschauen kann.

Die Schottischen Hochlandrinder kommen in verschiedenen Farben daher. Eigentlich immer einfarbig, reicht die Palette von fast weiß bis kohlrabenschwarz. In den Herden der Kienes kann man schön sehen, welche Breite die Farbpalette haben kann, sie haben viel Spaß an den unterschiedlichen Farben.

Das Fleisch der Highlands, dass man zum Beispiel im Hofladen des Highlanderhofes Kiene in Behrensdorf kaufen kann, hat eine besondere Qualität, die gerade von Gourmets geschätzt wird. Die Tiere werden fast drei Jahre alt bevor sie geschlachtet werden und haben in der Zeit viel Auslauf und viel gutes Futter, dass sie sich größtenteils selbst suchen müssen. Durch das langsame Wachstum und die viele Bewegung wird das Fleisch sehr kurzfaserig und das Fett liegt nicht in einer Glibberschicht um den Muskel herum, sondern ist ganz fein in den Muskel hineingewoben. „Durchwachsen“ und „fein marmoriert“ sind die Stichworte. All das führt dazu, dass es einen großartigen Eigengeschmack hat und im Grunde ohne Würzmarinaden oder ähnliches auskommt. Auch die vielen Kräuter, die die Tiere Zeit ihres Lebens fressen, tragen ihren Teil dazu bei.

Wenn man die Chance hat in die Nähe der Tiere zu kommen, ist man überrascht, wie klein sie im Vergleich zu Milchkühen sind. Davon, und von dem urigen Aussehen sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Auch wenn sie einen wirklich guten Charakter haben und sehr menschenbezogen sind, darf man nicht vergessen, dass sie seit Jahrhunderten halbwild gehalten werden. Ähnlich wie Rentiere in Lappland, deshalb muss man immer aufpassen, denn auch unabsichtlich können die Hörner ziemlich gefährlich werden und wer seit Generationen selbst seine Kälber gegen Füchse und Wölfe verteidigt, der kann auch mit einem Hund schon mal einen kurzen Geduldsfaden haben.

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