Robustrinder und Wildpferde – das ganze Jahr draußen auf dem Stiftungsland.

Robustrinder – der Name ist Programm. Denn sie sind so wetterfest, dass sie ohne Schaden zu nehmen das ganze Jahr über draussen sein können. Sollte es dennoch einmal „knapp“ werden mit Futter, Wasser oder Unterstellplatz, achten die Rinderzüchter sorgsam auf ihre pelzigen Landschaftspfleger. Genauso geht es den Wildpferden, den Koniks oder Exmoorponys. Sie fühlen sich bei jedem Wetter in der Natur wohl – das ist ihr natürliches Leben!

Eines steht fest: niemals sind wir so fest entschlossen, so voller Tatendrang, so voller neugewonnener Energie wie zum Jahresanfang. Auch die Natur hat in den vergangenen Monaten geruht, um eine große Portion Energie für das neue, das farbenfrohe Frühjahr zu sammeln. Die Natur holt Atem, ruht sich aus, zieht sich zurück – um Kraft zu tanken. 

Galloways im Schnee

Gemütliche Schiedwedda-Liebhaber

Aber bleiben wir noch einen Moment in diesen eisigen, ruhigen Zeiten. Wagen wir uns dann hinaus zum Durchlüften, Durchatmen treffen wir auf dem Stiftungsland in Schleswig-Holstein auf die beeindruckenden zotteligen Vierbeiner mit dem lockigen Fell oder wir begegnen ihre wiehernden wilden Freunden mit der langen, dunklen Mähne. Die Rede ist von Robust-Rindern, Galloways, Highlands, und Wildpferden, Exmoor-Ponys und Koniks. Sie sind echte Draußen-Liebhaber oder neu-norddeutsch: echte Schmuddelwedda-Fans. Während wir unseren Wintermantel noch enger um die Hüften schlingen, die Mütze noch tiefer ins Gesicht ziehen, die Handschuh-Hände in den Manteltaschen vergraben, kauen sie gemächlich vor sich hin.

Sorgenfalten auf der Stirn umsonst 

Kein Wunder also, dass sich bibbernde Spaziergänger  Sorgen um die Gesundheit der Tiere machen. „Die armen Pferde frieren doch bei der Eiseskälte“, oder „Die Rinder finden doch gar nichts mehr zu fressen auf ihren Weiden“, diese und ähnlich Anrufe nimmt Gerd Kämmer, geschäftsführender Vorsitzender von „Bunde Wischen eG“ in Königswill bei Schleswig, über die Wintermonate immer mal wieder entgegen und beruhigt: „Galloways und die Hochlandrinder kennen aus ihrer schottischen Heimat typisch norddeutsches Schmuddelwetter: Hier wie dort sind sie an karge Kost gewöhnt und kommen, anders als unsere Hochleistungsmilchkühe, auch im tiefsten Winter ohne warmen Stall und dicken Mantel aus. Ebenso robust und widerstandsfähig sind die britischen Exmoor-Ponys und Konik-Wildpferde aus dem osteuropäischen Raum. Auch dort gibt es strenge Winter“, erklärt Kämmer. Schnee und Eis bedeuten für die Huftiere nicht unbedingt Gänsehaut-Feeling, denn sie empfinden anders als wir Menschen. Die Wohlfühl-Temperaturen liegen bei Rindern beispielsweise 15 Grad niedriger. „Wenn wir also schon bibbern und frieren, fühlen die sich erst richtig wohl“, fügt der Biologe und Kreis-Naturschutzbeauftragte im Kreis Schleswig-Flensburg Gerd Kämmer hinzu. Kein Grund zur Sorge! Für den dicken Mantel hat Mutter Natur schon gesorgt: Das wärmende Winterfell mit besonders feinem, dichtem Unterhaar sorgt für ein unbeschwertes Dauer-Draußen-Sein der Robust-Rinder und Wildpferde. 

Highland im Winter

Fressen statt frieren 

Außerdem haben die Galloways und Highlands sich den ganzen Sommer über mit den leckersten, satt-grünen und saftigen Gräsern, Kräutern und Wildpflanzen einen anständigen Fettvorrat angefressen, so dass sie den Winter trotz erheblicher Gewichtsverluste gut überstehen. „Vom Herbst bis zum Frühjahr können sie 100 bis 125 Kilogramm, das sind bis zu 25 Prozent Prozent ihres Körpergewichts , problemlos abspecken, eine entsprechende Speckschicht im Herbst vorausgesetzt“, sagt Kämmer. Anders sei das bei den Wildpferden, sie halten über den Winter ihr Gewicht ziemlich konstant und kommen im Gegensatz zu den Rindern mit ihren scharfen Hufen auch noch an energiereiche Wurzeln von Pflanzen wie beispielsweise Brennnesseln oder Schilf. Überdies haben die Wildpferde einen evolutionsbiologisch bedingten Schlankheits-Sinn. „Pferde sind Fluchttiere. Wenn sie zu fett werden, können sie nicht schnell genug laufen“, weiß der leidenschaftliche Naturschützer und Biologe. 

Den Rindern bleibt in frostigen Zeiten entweder das Wühlen im Schnee oder das Knabbern an Büschen und Bäumen. Und sollte es doch mal eng werden, beispielsweise wenn angetauter Schnee wieder friert und kein Futter mehr aus dem Schnee raus ragt, werde zugefüttert, versichert Kämmer. Zu trinken finden sie an den frostsicheren Tränken auf den sogenannten „Wilden Weiden“- das sind vor allem Bäche und kleinere Flüsse.  „Interessanterweise beobachten wir aber auch immer wieder, dass Pferde und Rinder den Schnee mit Vergnügen lutschen, und das obwohl die Bäche noch gar nicht zugefroren sind.“ 

Bitte an Spaziergänger: Auf keinen Fall füttern

Gefährlich wird es für die Huftiere im Winter nur dann, wenn überbesorgte Spaziergänger, Wanderer oder Tierliebhaber mit vermeintlichen Leckerlis, wie Grünschnitt oder Brot-Resten vorbeikommen. Rinder und Pferde seien Gewohnheitstiere und ungewohntes Futter führe fast immer, warnt Kämmer eindringlich, zu Verdauungsproblemen. Brot werde von den Tieren nicht sofort gefunden und verschimmelt „Das hält auch der vielzitierte Kuhmagen beim besten Willen nicht aus“, sagt Kämmer. Rasenschnitt beginne zu gären und werde unverträglich. Besonders gefährlich sei Heckenschnitt wie Kirschlorbeer, Lebensbaum oder Eibe. Das sei gleichermaßen hochgiftig für Pferde und Rinder. 

Wilde Koniks an der Eider

Vierbeinige Rasenmäher für viele bunte Blumen, Kräuter und Gräser 

Gerd Kämmer gehört mit seinem Rinderbetrieb und dem Bioland-Hof zu den größten Pächtern der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Mit rund 900  Galloways und 100 Highland Cattle, sieben White Park Cattle und 15 Koniks pflegt er rund 1100 Hektar Stiftungsfläche und 500 Hektar andere Naturschutzflächen. Sommers wie Winters fressen sich die “Ökorasenmäher“ durch die „Wilden Weiden“ in Sachen Naturschutz. Wären da nicht diese „lebenden Rasenmäher“, gäbe es in vielen Bereichen eines Tages nur noch Wald. „Man wundert sich tatsächlich, wie viel die so wegfressen“, sagt Kämmer. „Jedes Rind pflegt pro Jahr etwa drei Hektar Weideland“ und dabei arbeiten sie wie lebende Rasenmäher.

Artenvielfalt durch Rinderbeweidung

„Indem sie das ganze Jahr über die Weisen und Weiden, Büsche und Bäume unterschiedlich abgrasen und anfressen, Büsche und Bäume anknabbern, die einen Wildpflanzen mit Genuss verspeisen, andere eher stehen lassen, leckere Kräuter verschlingen und saftige Gräser fressen, schaffen sie bunte, blühende Landschaften mit einem Mix aus Gräsern, Kräutern, Büschen und Bäumen“ ergänzt Dr. Walter Hemmerling, Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und Mitbegründer der „wilden Weiden“, im Fachjargon: halboffene Weidelandschaften. Gerade diese Art von Naturschutz sei einer DER Schlüssel zu mehr Artenvielfalt, betont Kämmer. „Im Sommer fliegen die Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Schwebfliegen und all die anderen blütenbesuchenden Insekten nur so auf die wilden Weiden, weil sie dort einen reich gedeckten Blütentisch finden. Von der Anzahl der Insekten hängt wiederum die Vogelwelt ab.“

Auf diese Weise leisten diese Outdoor-Freaks, die Robust-Rinder gemeinsam mit den Wildpferden, so ganz nebenbei und selbstverständlich einen großen Beitrag für die natürliche Vielfalt hier bei uns im Norden. Da braucht es noch nicht einmal gute Vorsätze. Auf ein frohes Neues! 

 

Wanderungen im Winter

Friedliche Naturschutzhlefer, die Highlands

Winterweiden – Wanderung im Stiftungsland 

Lust auf ein Draußen-Date mit den dauergewellten, hornlosen Rumtreibern (Galloways) , den zotteligen Junggesellen mit den langen Hörnern (Hochlandrind) oder den Muskelpaketen mit blondem Pony (Auerochsen)? Dann kommen Sie mit auf eine der wundervollen Winterwanderungen im Stiftungsland der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein 

Sonntag, 6. Januar 2019 :

von 10.30 Uhr bis 12.30 Uhr  

Schäferhaus  

Treffpunkt: Ihlseeweg Ecke Stadtweg, 24983 Handewitt;  Eingang Ihlseeweg 

Eisiger Wind, schneeverwehte Wiesen und Weiden soweit das Auge reicht und trotzdem stellt sich bei den meisten Besuchern beim Betreten dieser einzigartigen Kulisse sofort das „Jenseits von Afrika“-Gefühl ein. Das kann nur das Schäferhaus. Der ehemalige Flugplatz im Kreis Schleswig-Flensburg gehört zu den schönsten Natur-Oasen in ganz Schleswig-Holstein. Und zwar zu jeder Jahresezeit.  Antje Walter, Schmetterlings-Mama und Projektleiterin des Schmetterlings-Projekts „LIFE Aurinia“ der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein nimmt Sie zusammen mit Gerd Kämmer, einem der größten Pächter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und geschäftsführender Vorstand des Rinderbetriebs und Biolandhofes „Bunde Wischen eG mit und bringt sie dort draußen im ‚Nirgendwo‘ mit den robusten Rindern und Wildpferden zusammen. 

Sonntag, 20. Januar 2019 

von 10.30 Uhr bis 12.30 Uhr  

Stodthagen bei Kiel 

Treffpunkt: Kaltenhofer Moor Parkplatz, 24244 Felm 

Direkt vor den Toren Kiels liegt einer der schönsten Naturwälder im Norden: Stodthagen. Dort glitzern überall kleine Gewässer zwischen Moos und umgestürzten Bäumen. Mehrere verschlungene Wege laden zu einer Erkundungstour durch die märchenhaften Kulisse zwischen Kiel und Rendsburg ein. Miriam Kimmel, Flächenmanagerin der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und Dirk Andresen, einer der größten Pächter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und Geschäftsführer von „Weidelandschaften e.V.“ nehmen Sie mit durch den jetzt eisigen, mit Glück auch schneebedeckten (Ur-)Wald, der ohne Probleme eine der vielen Kulissen aus dem Fantasy-Film „Der Herr der Ringe“ darstellen könnte. 

Sonntag, 10. Februar 2019 

von 10.30 Uhr bis 12.30 Uhr 

Nordoe 

Treffpunkt: Krebsweg, 25578 Dägeling

Eine der letzten intakten offenen Binnendünen Schleswig-Holsteins ist im Stiftungsland Nordoe zu erleben. Südlich von Itzehoe im Kreis Steinburg. Auch hier leisten die „Ökorasenmäher“ – Robust-Rinder und Wilpferde Großartiges. Durch ihr Fressverhalten sorgen sie dafür, dass die Binnendüne nicht zuwuchert. Sie wollen auch eindlich mal ein Draußen-Date mit den robusten Vielfraßen? Dann seien sie dabei wenn Antje Zimmermann, Flächenmanagerin der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein Sie gemeinsam mit Dirk Andresen, einem der größten Pächter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und Geschäftsführer von „Weidelandschaften e.V.“ mitnehmen zu einer der wundervollen Winterwanderungen durchs Stiftungsland.  

Text: Jana Schmidt 

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