Pilze – die geheimnisvollen Wesen mit sinnvollem Netzwerk

Auf zur Pilzjagd! Aber Vorsicht: Lange nicht jeder Pilz ist essbar. Auf der Pilzexkursion am 22. September im Rahmen des Naturgenussfestival Schleswig-Holstein am Stiftungswald Ahrensee wurde den Teilnehmern eines klar: Jeder Pilz hat einen zum verwechseln ähnlichen Zwilling – und der ist meist giftig.

Attraktiv aber Hochgiftig – der Grüne Knollenblätterpilz

Der Experte bei dieser Bestimmungstour war Sönke Lettau von der Mykologischen AG Schleswig-Holstein. Diese AG gehört zur Arbeitsgemeinschaft Botanik der Christian Albrechts Universität und beschäftigt sich mit der Bestimmung und Kartierung von Pilzvorkommen in Schleswig-Holstein. Denn das ist ein wichtiger Indikator für den ökologischen Zustand von Lebensräumen. „Wenn es den Pilzen gutgeht, geht es auch dem Land, den Bäumen und den Tieren gut.“ So Sönke Lettau auf die Frage, warum Pilze für die Natur so wichtig sind und die Gruppe auf eine wilde Weide kommt.

Bei dieser Wanderung ging es weniger darum, Pilze für die Pilzpfanne zu sammeln, als Pilze kennenzulernen, den Lebensraum und die Merkmale, wie man sie unterscheidet, welcher Pilz genießbar ist und von welchem man am besten Abstand nehmen soll.

Hochinteressante Informationen zum Thema: Pilze und ihr Lebensraum von Sönke Lettau

Diese Pilzexkursion – bei richtig herbstlichem kühlen Wetter -hat wieder gezeigt, dass man die Natur bei jedem Wetter genießen kann. Und wenn man mit offenen Augen durch die Wälder marschiert, wie mit unserer Gruppe, kann man eine Menge entdecken und lernen. Die Artenvielfalt und deren Schutz ist auch für die Pilze wichtig – denn ohne sie verschwindet nicht nur die Natur ganz bald. So ist es auch mit den Pilzen: Sie wachsen nur dort, wo die Natur intakt ist und versorgen die Bäume und Sträucher mit lebenswichtigen Nährstoffen.

Rund 50 verschiedene Pilzarten haben die Teilnehmer auf dieser gut 2,5 stündigen Wanderung entdeckt – nicht zu glauben, oder?

Unter den Entdeckungen war auch das an einem toten Holunderholz wachsende „Judasohr“

Das essbare „Judasohr“ wächst gerne an toten Holunderbuschstämmen

(auch als Mu Err bekannt – als Ohrlappenpilz bezeichnet, essbar) oder auch den hochgiftigen Grünen Knollenblätterpilz. Der Verzehr dieses Pilzes kann innerhalb kurzer Zeit zu Leberversagen führen.  Dieser giftige Pilz ist meist unter Buchen oder Eichen zu finden. Er riecht leicht süsslich. Ist grünlich – kann aber auch ganz hell oder schokobraun sein. Überhaupt: Die Pilzbestimmung ist von vielen Faktoren abhängig. Mit dem Licht, Regen, oder dem Alter kann er ein unterschiedliches Aussehen haben. Pilze sind aber nicht nur zum Essen nützlich. Sie sind ein wichtiger Bestandteil im Ökosystem. Sönke Lettau war nicht nur ein hervorragender Kenner der unterschiedlichen Pilzarten, ein schelmischer Geschichtenerzähler sondern auch ein guter Erklärer, wenn es um die wunderbare Welt der Pilze und deren Partner ging.

So erklärte er: „Der Pilz geht mit den Pflanzen eine Symbiose ein (Mykorrhiza genannt). Die Wurzeln des Pilzes gehen mit den Wurzeln der Bäume eine Partnerschaft ein und versorgen diese mit Nährstoffen wie Nährsalze und Wasser.

Der essbare Hallimasch-Pilz.

Die Pflanzen geben dafür den Pilzen etwas von den durch die Photosynthese (Assimilate)erzeugten Stoffen wie Kohlenstoff ab. In einem trockenem Sommer wie diesen versorgen die feinen Wurzeln der Pilze die Baumwurzeln direkt. Diese werden so wesentlich unempfindlicher gegen Trockenheit aber auch gegen Schädlinge wie z.B. der Blattlaus. Das Wurzelsystem kann riesengroß – im Vergleich zum kleinen Pilz – werden. Ein sehr komplexes System hat die Natur da gebaut, das es zu schützen gilt. Pilze daher bitte immer am unteren Ende herausdrehen und das Loch locker wieder mit Erde oder Laub verschließen, Denn dieser Pilz ist nur einer von den Früchten des Wurzelwerkes – ähnlich wie der Apfel – von vielen und unter der Erde ist ein weitverzweigtes, wichtiges Wurzelwerk!“ Ein weiterer Tipp vom Pilzexperten: Bitte einen extra Behälter mitnehmen, in dem man unbekannte Pilze sammelt. Diese bitte herausdrehen und den Fundort notieren sowie welche Bäume oder Sträucher in der Nähe waren.

Interessante Pilzexkursion am Stiftungswald Ahrensee.

Diese kann man dann zum bestimmen einem Pilzsachverständigen geben. Entweder von der Mykologischen AG https://www.pilze-schleswig-holstein.de/index.htmloder zum Beispiel den https://www.kieler-pilzfreunde.de . Auch diese Exkursion des Naturgenussfestivals Schleswig-Holstein war wieder früh ausgebucht. „Wir planen schon für das nächste Jahr neue Exkursionen. Von der Pilzexkursion mit Experten wird es im nächsten Jahr weitere geben. Auch in anderen Gebieten, denn die Nachfrage ist riesengroß! Damit die Wanderungen interessant für alle sind und jede(r) etwas lernt, ist die Teilnehmerzahl begrenzt. Wer rechtzeitig Infos haben möchte oder das Programm, dem rate ich am besten, sich zu melden unter info@naturgenussfestival.de. Oder Ihr tretet in den ganz neu gegründeten Freundeskreis der Stiftung Naturschutz e.V. ein. Dann erhält man alle Infos zum Naturgenussfestival als erstes!

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