Lotseninsel AHOI! – Eine Bootsfahrt auf der Schlei und Naturgenusswanderung auf der Lotseninsel

Ahoi, Kapitänin Seebode! Pünktlich um 11 Uhr legte die MS Stadt Kappeln im Hafen ab. Rund 30 Teilnehmer hatten sich für unsere kombinierte Schifffahrt/Erlebniswanderung mit anschließendem Buffet in der Giftbude auf der Lotseninsel (Schleimünde) angemeldet. Damit alle Teilnehmer kompetente Ansprechpartner hatten, waren Dieter Wilhelm vom Verein Jordsand, Otto Löwenstrom als Naturführer, Ingrid Schulze von der Stiftung Naturschutz und ich, Silvia Janzen vom Naturgenussfestival SH, dabei.dsc_0099

Die ersten Fragen kamen schon auf dem Schiff: „Wir waren im Sommer schon mal auf der Lotseninsel. Leider ist es verboten, auf den Naturschutzflächen zu laufen, warum? Und wer kümmert sich eigentlich um die Insel?“ Darauf konnte Otto Löwenström natürlich antworten. Auf der Insel brütet ein Seeadler, inzwischen ist das Junge gesund und munter geschlüpft. Und die Galloway Herde hat auch Nachwuchs bekommen. Weiterhin brüten auf der Lotseninsel eine ganze Schaar von Vögeln. Manche in großen Kolonien, dicht an dicht. Die Schleimündung bietet dafür beste Voraussetzungen. Es gibt es genug Nahrung und sie sind ungestört .Auf der einen Seite die freie Ostsee, Sandwälle und auf der Schleiseite Lagunen und seichtes Gewässer – das sind beste Voraussetzungen für sehr viele Vogelarten. Manche machen sich dann im Herbst auf die Reise in den Süden, andere überwintern hier, auf der „Riviera der Ostsee“. So fliegt die Küstenseeschwalbe, Eis-und Bergenten gerne im Winter von der Antarktis auf die Lotseninsel. Das Besondere ist auch, dass hier Watvögel wie z.B. Kiebitz, Brachvogel in den Salzwiesen und auf den Weiden zu finden sind.
Die Lotseninsel ist besser bekannt als Schleimünde und eigentlich eine Halbinsel. Getrennt ist sie vom Festland durch das älteste Naturschutzgebiet Deutschlands, die Schleimündung. Mehr Infos auf www.lotseninsel.de

Der Leuchtturm der Lotseninsel

Der Leuchtturm der Lotseninsel

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Wir nehmen Fahrt auf die Lotseninsel

Bei stahlblauem Himmel schippern wir weiter auf der Schlei. Vorbei an restaurierten Reetdachhäusern und Gutshöfen. Nach kurzem Stop im Fischerdorf Maasholm ist die Lotseninsel und die grasende Galloway Herde deutlich zu erkennen.
Eine über Jahrhunderte gewachsene Kultur- und knorrige Naturlandschaft, die von der Lighthouse Foundation, einer gemeinnützige Stiftung für die Meere und Ozeane, in 2008 ersteigert wurde und seitdem nachhaltig, kompetent und sehr engagiert betreut wird. www.lighthouse-foundation.org

Vom karibischen Strand bis zur blauen Lagune und munteren Salzwiesen

„Alle Mann… und Frauen aussteigen!“ – die Kapitänen ruft, alle laufen die Gangway rauf und betreten den Bootssteg der Lotseninsel.Landgang auf der Lotseninsel

„Mama, warum steht da „Giftbude“ an dem kleinen Haus?“ Die Frage greift der Naturführer Dieter Wilhelm gleich auf. Die Teilnehmer rätseln. Eventuell, weil es hier immer viel Rum gab? Nein, die Lösung „Heer gift dat wat.“ Haben schon vor langer Zeit die Fischer op platt gesagt. „Hier gibt es was.“ Für uns bedeutet dies: Nach der Wanderung gibt´s hier leckeres Buffet.

Aber erstmal geht’s los. Vorbei an der alten Lotsenstation – heute ein modernes Tagungszentrum – und an dem Zeltplatz. Ab durch die Hecke aus Kartoffelrosen und dem Schild „Betreten verboten“. Das gilt heute nicht für uns.Ein Naturgenüsslicher-Spaziergang
„Warum heißt die Kartoffelrose Kartoffelrose und warum bezeichnen unsere Naturführer sie als Plage? Die sieht doch so schön aus?“ fragt sich eine Familie aus Hamburg. Also: Kartoffelrose wegen der Form der Blätter. Sie wächst gerne an Küsten. Ist auch in gewissem Maße gut, denn sie hält den Sand zusammen. Ursprünglich stammt sie aus dem asiatischen Raum. Und sie kann nerven! Denn sie breitet sich schneller aus, als gewünscht und geplant. Unter den Kartoffelroseblättern wächst kein Gras mehr – sie macht alles platt! Und nun kommen die Naturschutzrinder ins Spiel! Denn unsere zotteligen Landschaftspfleger essen mit Vorliebe die Blätter dieser stachligen Rose. Und dann, nach einer Zeit, sterben die Rosen ab. Erfahrungsgemäß genau so viele Pflanzen, dass sich die Landschaft wieder erholen kann.

Schöne Scheiße – Lebensraum und gut für die Welt
„Vorsicht, da liegt ein fetter Fladen!“ schreit Jonas. Huch, gerade noch rechtzeitig drübergehüpft!Schöne Scheisse - Dung ist gut

 

So ein Galloway Fladen auf der Wiese hat eine durchschnittliche Lebensdauer von 100 Tagen. Dann ist er weg. Aufgefressen, eingezogen, aufgeweicht. In der Zwischenzeit tummeln sich bis zu 400 Käfer (Ja! Nachgezählt, in einem Fladen!) in ihm, er ist reich gedeckter Teller für die Vögel und die Wiese freut sich, es spriessen wieder wilde Blumen und Kräuter, die Schmetterlinge und Bienen anziehen. Ein kleiner Kosmos für sich.Dieter Wilhelm und Otto Löwenstrom

Ein Galloway Trampelpfad

Der Galloway Trampelpfad – kaum zu glauben, oder?

Dieter Wilhelm, Natur-und Landschaftsführer vom Verein Jordsand weiß auf der Tour über die Lotseninsel viel zu erzählen. Von seltenen Wildkräutern, Seezeichen die aus 16 Pappeln bestehen, Galloways, die wie an einer unsichtbaren Leine gehalten, immer den gleichen Weg gehen, Seeadlern, die liebevoll ihr Junges aufziehen und den vielen Vögeln, die hier brüten und rasten. Und das sind alles keine Märchen, sondern wahre Naturerlebnisse!

Ein kleines Paradies – für Natur, Mensch und Tier

Die Lotseninsel ist ein kleines Paradies geblieben. Lighthouse Foundation sei Dank! Die Stiftung für Meere und Ozeane kümmert sich mit sehr viel Sorgfalt und Liebe um dieses Stück Land zwischen Meer, Fluss, Stadt und Tourismusgebiet. Wir, als Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und mit unserem Projekt dem Naturgenussfestival, unterstützen dies gerne. Und freuen uns, dass wir diesen Naturgenuss an viele Gäste behutsam und mit interessanten Geschichten und leckerem Gaumenschmaus weitergeben können.

Jörg Grab, Lighthouse Foundation

Jörg Grabo, Lighthouse Foundation

Wie geht´s weiter mit der Lotseninsel, wollten wir von dem Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Lighthouse Foundation, Jörg Grabo, wissen. „Es gibt ein konsequentes und tragfähiges Leitbild für die Zukunft der Lotseninsel. Im Sommer ist hier schon ein hoher Nutzungsdruck durch Touristen, Segler und Wanderer. Durch die besondere Nähe der Naturschutzflächen wissen wir um unsere Verantwortung. Die meisten Gäste sind sich bewusst, hier ein besonderes Stück Erde vorzufinden. Die Lotseninsel soll sich wirtschaftlich tragen. Ein Teil davon ist das alte Lotsenhaus, was wir modernisiert haben. Es ist nun ein beliebtes Tagungshaus für Gruppen bis zu 24 Personen, die hier in aller Ruhe und ohne Trubel Seminare abhalten und sich selbst verpflegen.Leckeres Bio-Buffet in der Giftbude

Die Giftbude ist die kleine „Imbissbude“ mit regionalen Bioprodukten. Auch diese trägt sich. Unsere Aufgabe sehen wir im Erhalt dieser einmaligen Fläche und sie sicher wirtschaftlich aber vor allem ökologisch wertvoll zu belassen.“

Bootsfahrt im goldenen September

Nach einem guten, selbtgebackenen Stück Blaubeerkuchen geht’s dann bei strahlendem Sonnenschein

Otto Löwenstrom und Kapitänen Seebode

Otto Löwenstrom und Kapitänin Seebode

wieder zurück mit der MS Stadt Kappeln an die Schleistadt. So viele Eindrücke, nette und interessierte Gäste von 8 bis 86, gutem Essen und noch besserem Wetter sind wir alle ein bisschen müde aber hochzufrieden.

Idyllische Rücktour

Idyllische Rücktour

Purer Naturgenuss mit Ein-und Ausblicken auf der Lotseninsel. AHOI!

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