Die Geheimnisse des Moores und andere Naturgenuss-Mysterien

Es gibt sie noch, die letzten Abenteuer für neugierige Naturentdecker: Im uralten Esprehmer Moor leben nicht nur unzählige, schon fast ausgestorbene Pflanzen- und Tierarten, auch unglaubliche Geschichten haben sich hier seit Jahrhunderten zugetragen. Von schaurig gruselig bis wunderbar schön reicht die Bandbreite. Einige durften wir heute erfahren;-).

Aber mal von Anfang an: Warum findet im Esprehmer Moor bei Güby unsere Naturgenussfestival Wanderung mit anschließendem Buffet in der Schlei Liesel statt? 

Natürlich weil das Esprehmer Moor zum größten Teil Stiftungsland ist.

Das Esprehmer Moor bei Güby – einmalig schön!

Von ehemals 400ha Hochmoor sind gerade mal 37ha übriggeblieben.  Anfang der 1960er Jahre wurde das Moor „Flurbereinigt“, also fast vollständig kultiviert und größtenteils Ackerland daraus gemacht. Denn vorher wurde, wie in vielen anderen Hochmooren, Torfabbau betrieben und das Moor entwässert. Ein fataler Fehler, im nachhinein. Warum? Hochmoortypische Pflanzen und Tiere sind fast ausgestorben. Durch umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen wurde diese 37ha Fläche „wiederbelebt“.  Mehr über das Moor erfahrt ihr hier: https://www.umweltdaten.landsh.de/nuis/upool/gesamt/bis_faltblaetter/5910_esprehmer_moor.pdf

Wiederbelebung bestens geglückt!

Wuscheliges Wollgras im Wind.

Typische Pflanzen sind nun wieder da, wie das Schmalblättrige Wollgras, der rundblättrige Sonnentau, zartlila Rosmarin- und Glockenheide sowie dicke Polster mit krassgrünen

Torfmoose, soweit das Auge reicht.

Torfmoosen. Selbst der selten gewordene Hochmoorbläuling (Schmetterling)und die Kreuzotter sind wieder da. Auch die Ringelnatter hat wieder eine Heimat gefunden. Sogar die Wiesenweihe – eine stark bedrohte Habichtart – haben wir über dem Moor jagen gesehen! 

Moor und Klimawandel – Zusammenhänge verstehen! 

Das Moor spielt eine große Rolle in Sachen Klimawandel, erklärt gleich zu Anfang

Gebietsbetreuer Johannes Erichsen zeigt eine Übersicht des Esprehmer Moores.

Gebietsbetreuer Johannes Erichsen. Das Hochmoor ist vom Regen abhängig und reagiert stark auf die zur Zeit herrschende Trockenheit. Dadurch sinken die Wasserstände und gerade die Hochmoore, die fast baumfrei sind, veröden. Denn die Pflanzen benötigen viel Wasser – und trocknen dann aus. Weiterhin ist das Moor ein Co2 Speicher . „Moore speichern doppelt soviel Kohlenstoff wie alle Wälder der Welt. In Deutschland enthält eine 15 Zentimeter mächtige Torfschicht auf gleicher Fläche in etwa gleich viel Kohlenstoff wie ein 100-jähriger Wald. Das bedeutet, geht in einem Moor die Torfmächtigkeit um einen Meter zurück, müsste zum Ausgleich das Sechsfache an Fläche aufgeforstet und 100 Jahre ungestört wachsen.“(Quelle: https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/moore/moore-und-klimawandel/index.html) 

Das Esprehmer Moor empfängt uns mit im Winde wehenden, puscheligen Wollgräsern und einen Ausblick auf Kraniche, die auf einem Hügel Rast machen. Das Wetter ist heute wechselhaft. Nach 6 Wochen Sonne ist es heute bedeckt. „Optimales Wetter für das Esprehmer Moor, denn es kann sich bei Sonne hier ganz schön aufheizen! So können wir richtig gut die Naturschönheiten betrachten – und davon werden wir hier eine Menge

Renate Voß, zertifizierte. Naturführerin erklärt, welche Pflanzen im Moor wachsen. Der NDR filmt heute.

finden!“ verspricht Renate Voß, zertifizierte Naturführerin, Kräuterexpertin und ehemals Apothekerin. 

Bei dieser Wanderung ist das NDR Fernsehen mit Redakteur Carsten Prehn nebst Kamera- und Tonmann dabei. Mit Zustimmung aller Teilnehmer dürfen sie filmen und fragen – und sind genauso begeistert wie unsere Gäste vom einmaligem Ambiente dieses Moores. Trotz grauem Himmel ist es hier merkwürdig hell und bunt. Das weiße, wuschelige Wollgras, die rosa Glockenheide, die hellgrünen oder rotbraunenTorfmoose und die vielen unterschiedlichen Tiere die wir sehen, lassen die kleinen Schauer, die immer mal wieder kommen, vergessen. 

Verlockend aber gefährlich – schaurige Schönheiten!

„Schauen Sie mal hier, das ist der rundblättrige Sonnentau. Der wächst nur an ganz besonderen Standorten – sehr „mager“ müssen sie sein – und ist ein richtiger Überlebenskünstler, wenn man ihn lässt! Er ist eine sogenannte fleischfressende Pflanze. Schaut mal diese Tentakel, rund 200. Die sondern ein klebriges Sekret ab, in der Sonne sieht es dann aus wie kleine Tautröpfchen, daher der Name!

Bald blüht der Sonnentau – eine wunderschöne, gefährliche und gefährdete Pflanze.

Der rundblättrige Sonnentau – seht Ihr die Tautröpfchen an den roten Tentakeln? Tja, alles nur Show…

 

 

 

 

 

Aber diese Tautröpfchen sind tödlich für kleine Insekten, die sich auf die Blätter setzen und schwupp, klappt das Blatt zu. Eine gefährliche Falle, die so zuschnappt und erst wieder aufgeht, wenn das Insekt „verspeist“ ist.“erklärt uns Renate Voß. Wer mehr wissen möchte hier https://mecklenburg-vorpommern.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pflanzen/11018.html

Besser nicht vom Weg abkommen – es könnte moorig werden! 

Wir gehen einen schmalen „Deich“ entlang – den man besser nicht verlassen sollte!

Lieber nicht vom Weg abkommen;-)!

Denn dann fängt das Hochmoor an. „Hier kann kein Bagger versinken und auch kein Mensch. Aber es ist nicht angenehm, tief einzusacken und dann wieder rauszukommen. Daher bitte nicht den Pfad verlassen. Und Vorsicht: Hüppel – der Weg ist nicht eben und schauen Sie bitte ganz genau, wo sie hintreten, es geht auf und ab! Am besten immer mir folgen!“ Gebietsbetreuer Erichsen kennt das Moor wie seine Westentasche. Denn er ist für dieses Stiftungsland verantwortlich, nimmt monatlich Wasserstände und kontrolliert. Dies macht er ehrenamtlich und ist eingesetzt vom Landesjagdverband Schleswig-Holsteine.V.,, der hier auch einige Wildbeobachtungshütten hat. Eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und dem Landesjagdverband, die für beide optimal ist! 

„Jetzt zeige ich Euch mal eine Ringelnatter, die ist immer hier.“ ruft er und stapft los durchs Wollgras auf einen kleinen Hügel, hebt eine große Platte, ein Schlangenbrett, hoch, die er als Versteck für die Schlangen und als Nachweis für ihn dient.

Hier findet Johannes Erichsen sonst immer „seine“ Ringelnattern.

„Och schade, ist wohl gerade unterwegs.“ Meint er dann ein wenig enttäuscht. Macht aber nix, denn da erzählt uns Renate Voß schon das nächste Geheimnis: Wie früher die Anwohner aus dem Wollgras einen „Kerzendocht“ herausschälten! 

Früher nutzte man dieses innere des Wollgrases als Kerzendocht.

 

 

Frank Jebe-Öhlerich, der Inhaber und Küchenchef des Hotel Schlei Liesel in Güby und sein Vater begleiten uns. Noch bis 1965 hatten die Anwohner ein Stück schmales Moorgebiet zum Torfstechen für den Eigengebrauch. „Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mit meinem Vater hier Torf stechen gefahren bin. Wir haben damit geheizt! Das war ne Arbeit! An eine Fahrt erinnere ich mich besonders: Früher durfte man bei uns zu Hause nicht schmöken…da musste sich mein Vater einen Trick ausdenken und hat immer beim Torfstechen seine Zigarre geraucht. Unser Geheimnis! Als ich dann mit war, ich war so 14 glaube ich, da hat er mir auch mal die Zigarre gegeben. Puh ha…bis heute habe ich nie wieder geraucht!“ lacht er verschmitzt!

Der Mix machst – Naturgenuss-Wandergruppe auf gutem Weg

Unsere Wandergruppe ist ganz gemixt, von 28 – 74 Jahren, aus Düsseldorf, Schalksmühle im Sauerland, Hamburg, Neumünster, Kiel und dem Umland. Das Ehepaar aus Düsseldorf bestaunt die Stille, Weite und Klarheit der Moorlandschaft. „Wir sind schon um die halbe Welt gejettet, aber so eine Ruhe wie hier – das hatten wir noch nie!“ das Paar ist mit dem neuen Camper unterwegs und macht gerne Natur-Touren mit.

Geheimnisse und Geschichten übers Esprehmer Moor – einige haben wir heute erfahren!

„Wir lernen so nicht nur die Landschaft kennen, man hat auch nette Begegnungen mit Leuten aus der Region und erfährt so tatsächlich Geheimnisse, die spannender sind als mancher Krimi. Wir werden sicher noch eine Naturgenusstour mitmachen, solange wir hier sind!“ Das freut mich – denn so interessierte Gäste haben wir ja gerne. Sie erzählen, dass sie auch in Nordrhein Westfahlen gerne Wanderungen machen mit der https://www.nrw-stiftung.de/wir-ueber-uns/stiftung.php.

Schon mit ihren Kinder, inzwischen Erwachsene, haben sie so die Natur kennengelernt. 

Wiederholungstäter erleben immer wieder neue Geschichten!

„Wir machen jedes Jahr Naturgenussfestival Touren mit. Das ist immer unser Gewinn aus unserer Lottogemeinschaft! Letztes Jahr waren wir z.B. bei der Lotseninsel Ahoi! Tour dabei. Das war so schön.“ Erzählt eine Dame aus einer 5-er Gruppe. „Und wir machen seit 3 Jahren unseren Urlaub in Güby bei den Jebe-Öhlerichs im Gästehaus. Und jedes Jahr entdecken wir wieder was neues hier. Langeweile gibt’s nicht! Besonders gereizt hat uns der Spaziergang ins Moor – alleine hätten wir das nicht gemacht. Und da wir wissen, das es nachher was regional und nachhaltig erzeugtes auf dem Buffet gibt, ist diese Wanderung besonders reizvoll! “ so ein junges Paar aus dem Sauerland. 

Johannes Erichsen hält uns auf Trab. Mit seinen Erzählungen, Wissen und Geschichten

Moor erkunden macht Spaß – Foto von Astrid Schweppe zur Verfügung gestellt. Danke!

übers Moor, als auch mit seinem wahnsinnigem Elan. Hier über einen Hügel, da über einen kleinen Graben – aber die Teilnehmer sind alle fit und helfen sich gegenseitig! 

Neue Jäger*innen bringen frischen Schwung!

Mit dabei ist auch Kyra Paulweber, Kollegin von Johannes Erichsen im Landesjagdverband und Jägerin. Sie ist festangestellt dort, zuständig für das Wildtiermonitoring und das Wildtierkataster. Ebenso gehört die Betreuung der Naturschutzgebiete und der Ehrenamtlichen, die dort tätig sind, zu ihren Aufgaben.

Kyra Paulweber vom Landesjagdverband Schleswig-Holstein e.V. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit!

Die junge Frau hat nach dem Studium und Abschluss mit einem Master in Agrarwissenschaften, Fachrichtung Umweltwissenschaft an der Uni Kiel, sich beim Jagdverband http://www.ljv-sh.de initiativ beworben. Nicht von ungefähr, denn sie hatte gerade den Jagdschein gemacht und interessiert sich schon lange für die Jagd und Aufgaben der Jäger in Schleswig-Holstein. Sie erhielt die Stelle! Nun ist sie sehr froh, denn „mein Beruf ist mein Hobby, dass ich so nun verbunden mit dem wissenschaftlichen Arbeiten, sehr gerne ausübe!“. Besonders am Herzen liegt ihr die Arbeit mit den Ehrenamtlichen und die Kooperation z.B. mit der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. 

Eine rund 2-stündige Wanderung durchs Moor mit vielen Erklärungen geht zu Ende. Fast!

Hui, der Bläuling beim Mittagessen!

Renate Voß entdeckt auf Schritt und Tritt für uns neue Pflanzen – hier der „anziehende“ Baldrian.

 

 

 

 

 

Bienentankstelle mit Super-Nektar!

Eine Kröte auf gemächlicher Wanderung.

 

 

 

 

 

Denn Renate Voß bleibt vor einem wunderhübsch blühenden und etwas aufdringlich duftendem rosa Busch stehen. Schmetterlinge und andere Insekten umschwirren ihn. „Das ist ja, als ob sie auf einer rosaroten Duftwolke schwirren!“ sagt eine Teilnehmerin. „Das ist ein Baldrian Busch. Und hier seht ihr viele Wildbienen, da ist z.B. der Bläuling – es gibt so viele Arten – und hier unten eine kleine Kröte.“ Wir sind ganz betört von den vielen Tieren – und dem Duft. 

Auf geht’s in die Schlei Liesel! Hier erwartet uns schon Carina Jebe-Öhlerich mit einem

Carina und Frank Jede-Öhlerich, umsichtige Gastgeber in der Schlei-Liesel und Nachbarn vom Esprehmer Moor.

wundervollem Naturgenuss-Buffet auf der Terrasse! Selbstgemachte Galloway-Bratwurst auf Kürbis-Chutney, würzige Gallowaysülze (https://www.bundewischen.de) , Spargel-Erdbeersalat, Couscous mit Kräutern, Gemüsesticks mit Kräuterquark, Wildpastete und viele regionale Käsesorten u.a. Ziegenkäse von https://www.jahnkes-ziegenkaese.de oder https://www.backensholz.de. 

Unsere Gruppe kennt sich inzwischen und es entwickeln sich interessante Gespräche, Telefonnummern werden ausgetauscht und Urlaubstipps an unsere Gäste aus Nordrhien-Westfalen gegeben. 

Die nächste Wanderung findet am 15. Juli statt – Anmeldungen sind noch möglich! Und nochmal zur Anfangsfrage: Warum hier diese Naturgenusswanderung? Nun wisst ihr es: Die Geheimnisse des Moores, gepaart mit vielen Naturgenüssen in Form von Geschichten, Begegnungen mit interessanten Tieren, Pflanzen und nicht zuletzt Menschen, die Arbeit der Stiftung Naturschutz SH an diesem ganz besonderen Flecken Erde und die Wichtigkeit dieses Maßnahmen – und dann noch das regional leckere Buffet in der Schlei Liesel – „mehr Naturgenuss in dieser Ecke geht nicht!“ – wie es ein Gast treffend trocken bemerkte. Jo, so is das! 

Übrigens: Der NDR SH zeigt die Wanderung am 22.6.2018 um 18.15 Uhr im Rahmen der Serie „Lust auf Norden“. Wer es nachsehen möchte https://www.ndr.de/mediathek/mediatheksuche105_broadcast-123.html

Wir bedanken und herzlich bei allen Teilnehmern fürs mitmachen und das O.K. für die Veröffentlichung;-). Es hat viel Spaß gemacht und war sehr interessant – und immer wieder neue Entdeckungen! Weitere Veranstaltungen auf http://www.naturgenussfestival.de

Viele interessante Fotomotive! Zu jeder Jahreszeit ein Naturgenuss und Augenschmaus! Bitte alles nur anschauen, nicht anfassen oder rausrupfen. Danke!

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