Arbeit auf der eigenen Scholle – mit Blick in die Welt: Naturschutz-Rinderhalter denken über den Tellerrand!

Wer viel Zeit mit Tieren verbringt, der erlebt einiges. So ist Richard Kiene, Gründer und Chef des Highlanderhofes Kiene in Behrensdorf, nie um eine Anekdote verlegen. Über 30 Jahre draußen bei den Rindern werden halt nicht langweilig.
Richard Kiene, den viele vielleicht aus der NDR-NaturNah-http://www.ndr.de/fernsehen/Der-Highlander,naturnah1104.htmlReihe als „Der Highlander“ kennen, steht für so einiges, für das man Landwirte vom alten Schlag schätzen kann. Harte und bodenständige Arbeit auf der Scholle (in dem Fall der Grasnarbe), aber immer einen Blick auf die Welt. Ein kleines „Imperium“ hat er sich mit seinen Schottischen Hochlandrindern aufgebaut und ganz nebenbei nicht unerheblich dazu beigetragen, dass es inzwischen in Schleswig-Holstein mehr Highlands gibt als in Schottland.

Schönlinge auf dem Stiftungsland

Unerschütterlicher Robustrindhalter
Der Umgang mit den Tieren ist bei Richard Kiene ein sehr ruhiger. Auf Halfterführigkeit wird Wert gelegt. „Wenn die das einmal gelernt haben, können sie es ein Leben lang“, sagt Kiene. Man muss die Eigenwilligkeit anerkennen, mit der er seine Idee von Robustrinderhaltung verfolgt. Ein echter Freidenker, der dachte, den Büroalltag als Bankkaufmann gegen grüne Wiesen getauscht zu haben, am Ende aber von den unendlich vielen Auflagen und Vorgaben in der Landwirtschaft wieder oft an den Schreibtisch getrieben wird.
Er weiß, was er will, was er macht, wie er Dinge tut und warum. Immer mit einem Augenzwinkern und einem flotten Spruch, aber auch geradlinig und unerschütterlich.
Raritäten unter den Rinderrassen
Auf den Weiden des Highlanderhofes Kiene, die er zu einem guten Teil von der Stiftung Naturschutz gepachtet hat, tummeln sich neben den urigen Hochlandrindern auch noch ein paar wirklich außergewöhnliche Schätze aus der Rinderwelt. Zum einen gibt es ein paar Heckrinder, „Auerochsen“, und zum anderen die beeindruckenden Englischen Longhorns. Echte Raritäten.
Aber zurück zu den Highlandern. Sie kommen heran, wenn sie das Auto hören, gerufen werden und ein paar Äpfel gefüttert bekommen. „Lockfutter“ nennt sich das. Etwas ganz anderes als „Zufutter“, wie Richard Kiene direkt zu Beginn meines Besuches betont. Der Unterschied erschließt sich nicht jedem direkt. Man kennt die handzahmen Tiere aus dem Kuhstall und ignoriert den Umstand, dass Belohnung oft die beste Möglichkeit ist, einen guten Blick auf die Tiere zu erhaschen, ohne der Herde dafür stundenlang hinterhergelaufen sein zu müssen. Der gute Blick auf die Herde ist wichtig um zu kontrollieren, ob mit den Tieren alles stimmt.

Richard Kiene – Robustrindhalter aus Leidenschaft

Lebenswerk für Generationen
Der Hof ist ein Lebenswerk. Das von Richard Kiene, dem Highlander und Renate, seiner Frau. Auch ohne sie jetzt wirklich zu kennen, kann man sich vorstellen, dass jedes Detail persönlich von ihnen beschlossen und auf den Weg gebracht wurde. Der Hof, auf dem sich auch der Hofladen befindet, ist kein idyllischer Märchenhof, sondern einer der zuallererst mal funktioniert. Trotzdem stimmt es auch für das Auge. Aufgrund der präventiven Aufstallpflicht wegen der Vogelgrippe liefen keine Hühner frei herum, aber man konnte sich gut vorstellen, wie sie sonst zwischen den Schweinen und am Hof stehenden Jungrindern scharren würden. Die Scheune ist schon etwas älter, aber top in Schuss. Man hat das Gefühl, dass es da jemand ehrlich gut meint. Dieses Gefühl hat man gerne.

Sowohl im NDR-Film, als auch im persönlichen Gespräch, ist die Hofnachfolge ein großes Thema. Die Zeit ist allerdings seit den ungewissen Aussichten von letztem Jahr nicht stehen geblieben. Innerhalb der Familie scheinen sich Nachfolger gefunden zu haben und das Lebenswerk in der Familie zu bleiben. Das ist auch gut so, denke ich. Ich kann mir vorstellen, dass man viel draus lernen kann, mit den Geschichten aus der Arbeit mit den Rindern (und natürlich den Menschen die einem dadurch begegnen), aufgewachsen zu sein und das Lebenswerk weiter führen zu können.

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