Stiftungsland Schäferhaus – geführter Spaziergang mit Expertenwissen

Stiftungsland Schäferhaus – unglaublich spannend und wunderbar entspannt!
Ein geführter Spaziergang mit Expertenwissen

„Jenseits von Afrika“ war das Motto des geführten Spazierganges, der im Rahmen des Naturgenussfestivals SH der Verein Bunde Wischen e.V. in Zusammenarbeit mit dem Genießerhotel Historischer Krug in Oeversee anbot.
Gerd Kämmer von Bunde Wischen e.V. hatte schon zu Beginn auf die dunkelgrauen Wolkenberge im Hintergrund verwiesen, die uns laut dem Regenradar seines Smartphones innerhalb der nächsten zwei Stunden erwischen könnten. DSC_0514
Jenseits von Afrika …in der Nähe Flensburg
Einen kleinen Begrüßungsschauer gab es bereits nach wenigen Minuten, aber so schnell wie er kam, war er wieder vorbei und die etwas über 30-Köpfige Gruppe erklomm ein erstes Hügelgrab. Ein guter Blick über die beeindruckende Landschaft des Stiftungslandes Schäferhaus wurde geboten.

Interessierte Teilnehmer - das Wetter? Egal, wir sind in Schleswig-Holstein!

Interessierte Teilnehmer – das Wetter? Egal, wir sind in Schleswig-Holstein!

Größtenteils flach, aber von einigen Gräben durchzogen liegt das Stiftungsland zu Füßen des Beobachters auf dem vorzeitlichen Hügelgrab. Die Landschaft ist halboffen und von knorrigen Weißdornbüschen übersät. Der spätsommerliche Anblick erinnert an die südafrikanische Savanne. Zwar wachsen hier keine Schirm-Akazien sondern der Ur-Europäische Weißdorn – aber es gibt genauso wilde Tiere und Pflanzen hier.

Wilde Tiere – ganz zahm
Schon während des Rundblickes vom Grabhügel aus, konnte man die Bewohner dieser „Steppe“ entdecken. Graue Koniks bewegten sich langsam zwischen den Büschen. Hinaus aus dem Schutz vor Regen und Richtung der offenen Fläche. Schnell nach den Koniks kamen auch die Galloways ins Bild. Klein und zottelig, ohne Hörner, einfarbig schwarz, blond, braun – oder weiß mit schwarzen Ohren.
Wir stiegen wieder vom Hügelgrab.

Statt Jenseits von Afrika jenseits von Flensburg.

Statt Jenseits von Afrika jenseits von Flensburg.

Schon vor Beginn der Wanderung hatte Biologe Gerd Kämmer begonnen, die Projekte des Bunde Wischen e.V. zu umreißen. 30 Jahre Erfahrung in Beweidung von Naturschutzflächen mit Nutztieren, Anlage und Pflege von Streuobstwiesen, sowie viele weitere politische „Nebenkriegsschauplätze“, wie z.B. der Kampf, die Tiere zum Schlachten nicht zum Schlachter transportieren zu müssen, kamen dazu.

Biologe und Chef von Bunde Wischen e.V. Gerd Kämmer

Biologe und Chef von Bunde Wischen e.V. Gerd Kämmer

Fast wie eine große Familie
Der studierte Biologe Gerd Kämmer konnte viel zur Pflanzenwelt im Stiftungsland Schäferhaus erzählen. Die erste große Fläche des Bunde Wischen e.V. war sie, Ende der Neunziger, und es gibt wohl wenige Flecken auf dem Areal, die er noch nicht durchstreift hat. Ebenso kennt er alle Tiere – meist sogar mit Namen.
Auf den Informationstafeln steht für die Besucher eine Richtdistanz von 25 Metern zu den Tieren, die eingehalten werden sollen. Unter fachkundiger Anleitung konnten wir uns den Tieren bis auf wenige Meter nähern. Kämmer wusste viel

Die Wildpferde (Koniks) am rangeln und spielen.

Die Wildpferde (Koniks) am rangeln und spielen.

zu berichten über die natürlichen Verhaltensmuster der zähen Ponies. Von Junghengsten, die anderthalbjährig vom Vater aus der Gruppe vertrieben werden und dann als Halbstarkentruppe durchs Gelände streifen. Von Rangkämpfen zwischen den Leithengsten, die die Geest zum Erbeben bringen, aber auch von allerliebsten kleinen Fohlen und Kälbern, die zwischen den Büschen umhertollen und fangen spielen.

Frischlinge – Fohlen und Rinder 
Auf unserer Tour Ende August hatten wir das große Glück, zwei „Nachzügler“ zu sehen. Ein kleines, dreiwöchiges Konik-Fohlen drängte sich schüchtern an den Bauch seiner Mutter, von wo aus es die Besucher aber neugierig beobachtete und das jüngste Mitglied der Galloway-Herde war sogar erst ein paar Tage alt.

Galloways in der freien Natur. Ein Erlebnis!

Galloways in der freien Natur. Ein Erlebnis!

Die große Qualität einer Führung mit dem Chef höchstpersönlich ist, dass er zu jedem Thema Auskunft geben kann uns sich auch nicht scheut, schwierigere Themen anzugehen.

Auch „unbequeme“ Themen werden angesprochen
Wie auf vielen Naturschutzflächen ist auch im Schäferhaus das Jakobskreuzkraut ein Thema, allerdings kein so großes – das Naturschutzgebiet ist seit fast 20 Jahren unter Aufsicht des Bunde Wischen e.V.. Wie alle Bestandteile eines Ökosystems muss auch das Kreuzkraut seinen Platz finden. Nach ein paar Jahren massenhafter Ausweitung haben sich Schmetterlinge etabliert, deren Raupen speziell das Kreuzkraut fressen und dadurch wird das Vorkommen wieder eingedämmt. Zusätzlich ist das „schlafende“ Keimpotenzial im Boden aufgegangen und das JKK pflegt sich wie jede andere Pflanze ins Ökosystem ein.
Kompakte Wanderung – konzentriertes Wissen
Unsere Wanderung durchs Stiftungsland war wetterbedingt recht kompakt, aber dafür umso konzentrierter. Schon im Vorfeld hatte Gerd Kämmer ausgekundschaftet, wo sich die Tiere aufhielten, so, dass wir, ohne uns viel zu bewegen einen kleinen Rundumschlag geboten bekamen. Wenige Meter von der Konik-Gruppe entfernt, standen die Galloways. Ein Graben, durch den Niederschlag der Nacht etwa knietief mit Wasser gefüllt, trennte uns von der knapp zehnköpfigen Gruppe, die etwas zerstreut um Bäume und Büsche ruhte. Einzelne Tiere standen auf, einzelne kamen hinzu. Die Kälber spielten miteinander, einige begannen in den Graben zu waten. Ein Bild der Ruhe, während Kämmer auch hier aus der Geschichte der Herde mit Leittieren, alten Kühen und viel Nachwuchs berichtete.
Friedlich war´s und sehr ruhig. Bis auf einmal das Donnern im Himmel anfing. Die Wolken begannen sich aufzutürmen und die Temperatur fiel schnell um einige Grad. Ein sicheres Zeichen eines nahenden Wolkenbruches. Wir zogen uns ´gen Parkplatz zurück. Das geplante Picknick sollte dann – kurzerhand entschieden von den beiden Chef´s – eher gediegen als leckeres Gourmet Menü im Historischen Krug in Oeversee stattfinden. Dort erwartete uns Küchenchef Bodo Lööck. Genauso wie Gerd Kämmer ein Meister seines Fach´s und ebenso unterhaltsam ging es weiter. Alles in allem ein wunderbares Erlebnis. Und nur zu empfehlen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.