Stiftungsland Schäferhaus – Wilde Savanne mit Ausblick für echte Naturgenuss-Gourmets

Schäferhaus, das hört sich im ersten Moment recht friedlich an. Ist es ja jetzt auch. Tja, wie so ein Name doch trügen kann. Denn das war nicht immer so. Schäferhaus stand nicht immer für friedliche Natur, wilde Tiere und Naturerlebnisraum.

Grausige Geschichte für ein friedliches Land
Im Jahre 1998 erwarb die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein dieses rund 300 Hektar große Gebiet, verpachtete es an Bunde Wischen e.G. mit dem engagierten Chef Gerd Kämmer und machte es zu dem was es heute ist: Der größte Naturerlebnisraum Schleswig-Holsteins und zudem ein Paradies für naturliebende Menschen, freiheitsliebende Tiere und wiederentdeckte Pflanzen.

Gerd Kämmer auf dem Hügelgrab im Stiftungsland Schäferhaus

Schäferhaus – mit neuem Namen zu neuen Ehren
Vorher war das Schäferhaus nicht das Schäferhaus, welches wir in den Wanderungen des Naturgenussfestivals oder den Extratouren der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstien kennenlernen dürfen. Es hieß nicht mal so. „Jägerslust“ war der Name, den dieses Gebiet vorher trug. Es war nach 1938 ein Wehrmachtsübungsplatz und dann ein Truppenübungsplatz
und Panzertestgeländer der Bundeswehr. Davor war der bekannteste Hof auf diesem Gelände eine Villa der Familie Wolff, die jüdischer Abstammung war und in der Villa „Jägerslust“ ein Kibbuz errichtete, um Pioniere für Israel in der Landwirtschaft auszubilden. Im November 1938 nahm dies ein schreckliches Ende. Gestapo, SS und Polizei misshandelten die Familie und alle Anwesenden. Ein großer Teil der Familie kam in Konzentrationslagern ums Leben.
Auch das gehört zur Geschichte dieses Gebietes. Als ich dies nachgelesen habe, bin ich um so froher, dass alles ein gutes Ende genommen hat. Auch dass das Ende des sogenannten „Kalten Krieges“ dazu geführt hat, dass die Bundeswehr viele Standorte aufgegeben hat und diese in friedliche Nutzung umgewandelt wurde.

Mit Phantasie ist alles möglich

Heute machen wir einen Spaziergang „Jenseits von Afrika“ mit anschließendem Gourmet-Picknick.
Bei der Wanderung über das Gelände berichtet Gerd Kämmer von ca. 28 Hügelgräbern, die hier einmal standen. Wir klettern auf einen Hügel. Ein fabelhafter Ausblick auf die Schäferhaus-Savanne. Mit etwas Phantasie kann man Giraffen durch die Weißdornbüsche galoppieren sehen und Zebras am Ihlsee genüsslich das klare Wasser schlabbern hören. Na gut. Es sind hier keine Giraffen, sondern die eher gedrungenen, kleinen Galloways.

Galloway-Mama – nicht zu verwechseln mit Giraffen;-)

Wenn die traben…sieht es eher aus wie Teddybärentanz. Statt der Antilopen sehen wir die wilden Koniks – die sind aber mindestens genauso graziell wie ihre afrikanischen Verwandten.

Afrikanisches und Archäologisches Wissen
„Der Spaziergang heißt ja jenseits von Afrika. Und Ägypten ist da mit inbegriffen. Um nun wieder den Bogen zu schlagen: Die Ägypter bauten Pyramiden, die Nordmänner bauten Hügelgräber. Nicht mit Steinblöcken, sondern mit dem, was sie hier hatten. Und wie es in die Landschaft passt. Pyramiden würden hier schon komisch aussehen, dachten sie sich wohl. Daher Hügelgräber. In den Hügelgräbern wurden die Toten begraben mit etlichen Beigaben. Und auch hier gab es Grabräuber, genau wie in Ägypten. Wir stehen gerade auf so einem Hügelgrab. Nicht das ursprüngliche – wir haben es wieder rekonstruiert.“ erklärt Gerd Kämmer, der sichtlich Spaß daran hat, Geschichten und Wissenswertes weiterzugeben.

Blühende Heidelandschaft wo früher Panzer rollten

Auf dem rund 2-stündigem Spaziergang übers Schäferhaus erfahren wir, wie die Nordmänner gelebt und beerdigt wurden, was es mit dem Ochsenweg auf sich hat, welche Kräuter hier wachsen, warum Heide im Herbst gemäht werden muss oder wie Galloway Kälber Ohrenmarken bekommen.

Cowboys haben was auf´m Kerbholz
So wechseln sich nachdenkliche Themen mit lustigen Geschichten ab. „Wissen Sie, woher der Begriff „etwas auf dem Kerbholz haben“ kommt?“ fragt Gerd Kämmer, als wir den historischen Ochsenweg überqueren. Nein, weiß keiner der 29 Gäste. „Die Ochsentreiber, die die Ochsen von Dänemark nach Hamburg hier auf dem Weg getrieben haben, mussten ja auch mal Pause machen. Daher gab es am Weg viele Wirtshäuser. Und da sie ja erst in Hamburg oder wo auch immer das Ende der Reise war, den Lohn erhielten, ließen sie

Gerd Kämmer führt durch das Stiftungsland Schäferhaus

anschreiben. Der Wirt ritzte also die Getränke in ein Kerbholz. Auf dem Rückweg wurde dann bezahlt und auch wieder gezecht…so dass am Ende was übrigblieb. Auf dem Kerbholz. Na, dann hatte der Cowboy des Mittelalters also noch was auf´m Kerbholz.“ logisch oder, lacht Gerd Kämmer.

Blütenmeer 2020 Projekte im Schäferhaus
Auf Schritt und Tritt Blumen, Kräuter, Wildpflanzen. Das Stiftungsland Schäferhaus ist eine Freude für jeden Botaniker.

Augentrost (Euphrasia), eine Pflanze in der Kräuterheilkunde und auf der Roten Liste zu finden, wächst büschelweise im Stiftungsland Schäferhaus

Ein ganz besonderes Projekt startete kurz nach dem Sturm „Christian“, der einen ganzen Fichtenwald abholzte. Das Holz musste aufgrund der Borkenkäfer weggeschafft werden. Zurück blieb eine Fläche, voll mit Tannennadeln und sehr trostlos. Dann kam Christian Dolnik dazu, Projektleiter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein für das Blütenmeer 2020. Er entwarf mit seinem Team einen Plan, wie hier bald ein Blütenmeer mit Wildblumen und -kräutern entstehen kann. Die Fläche wurde dafür aufwendig vorbereitet und nun sieht man erste Erfolge blühen und wachsen. Gut für die Natur, die Insekten und die Menschen!

Gourmet Buffet am Ihlsee
Nach zwei kurzweiligen Stunden, die für die Teilnehmer fast zu schnell zu Ende gingen, erwartet uns ein wahrhaft königliches Buffet vom Historischen Krug Oeversee. Das wäre auch eines afrikanischen Stammesfürsten würdig! Kein Wunder, schwärmt sogar der Gault Millau vom Chefkoch Bodo Lööck und nennt das Restaurant ein „Gourmetrefugium“. 
Bodo Lööck und Team haben kulinarisch gezaubert. Leckeres vom Galloway höchst

Bodo Lööck mit seinem Team vom Historischen Krug Oeversee

Eine Galloway-Kostprobe gefällig?

schmackhaft zubereitet, bunte und kreative Salate wie z.B. den Sprossensalat mit Wasabi Nüssen, frisches Gemüse, duftendes Brot, einmalig fruchtiger Nachtisch, diverse alkoholische und Softdrinks…wow!
Die Tische am Ihlsee sind gedeckt und unsere Wanderfreunde freuen sich! Am Tisch ergibt sich dann so manches interessante Gespräch. Über die Natur, die Arbeit von Bunde Wischen e.G. und die Tätigkeiten der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, das leckere Essen und das gute Leben an sich, dass wir ohne eine

Gourmet Picknick vor traumhafter Kulisse bei bestem Wetter

intakte Natur nicht führen können.

Weitere Infos:

In der Schäferhaus-Savanne übernachten:
http://www.wildes-sh.de/natur-erleben/uebernachtungsplaetze/schaeferhaus/

Die Karte: http://www.stiftungsland.de/karte/stiftungslandgebiete/schaeferhaus/

Der Bericht im Blog vom letzten Jahr:

Stiftungsland Schäferhaus – geführter Spaziergang mit Expertenwissen

Hier die Webseite vom Blütenmeer 2020

http://bluetenmeer2020.de

 

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