Pilze: Gaumenfreuden, die trügen können!

„Man kann alle Pilze essen – manche nur einmal!“ Bei diesem Spruch vergeht so manchem Pilzsucher dann doch der Mut! Warum? Wie Vivien Hauser, geprüfte Pilzsachverständige und im Vorstand der Kieler Pilzfreunden e.V., erklärt, gibt es in SH ca. 6.000 Pilzarten. Davon sind ca. 25 tödlich giftig, 200 – 300 Magendarm-giftig und ca 200 gute Speisepilze.
Laut DGfM gibt es geschätzt circa 14.000 Pilzarten in Deutschland. Weltweit 140.000/ erwartet 1.5 Mio!

Was wächst unter Laubbäumen? Der Röhrling…

Viele viele Pilze – einige davon nur essbar!

 

 

 

 

 

Pilze sind Lebewesen!
Zu Beginn unserer Wanderung haben die drei Pilzsachverständige einige Pilze, essbare und giftige, auf einer Parkbank ausgelegt. Nun wird erstmal erklärt, wie man Pilze bestimmt. Schauen, anfassen, riechen. Ist das „Mäntelchen“ abnehmbar, wie sind die Lamellen angeordnet? Mit der Lupe wird genau hingeschaut, es wird ein Stückchen abgeschnitten, riecht der Pilz nach Anis oder eher moderig, welche Farbe, welche Beschaffenheit…Schon das ist sehr spannend!

Genaue Untersuchung!

„Pilze sind Lebewesen!“ so Vivien Hauser, deren großes Hobby die Pilze seid langem sind. Diese Aussage verwirrt viele Teilnehmer, einschliesslich mich. Warum? Pilze sind auf organische Nährstoffe, genau wie Tiere, angewiesen. Sie können sich zwar nicht bewegen und vermehren sich über klitzekleine Sporen, die zur Fortpflanzung dienen, also anders als Tiere. Mithilfe von vielen DNA-Analysen wurde der Lebensbaum inzwischen größtenteils aufgeklärt und so hat man die pilzliche Organisationsform bei den Tieren eingeordnet. Wer mehr wissen will oder auch gerade für Vegetarier oder Veganer eventuell von Wichtigkeit: https://www.dgfm-ev.de/wissenswertes/was-ist-ein-pilz

Wie / wonach riecht der Pilz?

Namen wie aus Rotkäppchen, Hänsel & Gretel und Co.

Grüner Knollenblätterpilz, Mäuseschwanz-Rübling, Schlauchzitterling, Fliegenpilz, Kartoffel-Bovist, Grüner Anis Trichterling und der extrem unschuldige und dabei leckere Goldgelbe Pfifferling – im Wald stehen die Guten neben den extrem Giftigen pilzlichen Lebewesen –  und man kann sie nicht auseinanderhalten! Also fast wie bei den Menschen;-) Eine Regel, sagt Vivien Hauser: „Alle weißen Pilze im Wald sind ungenießbar oder giftig. Stehen lassen!“
„Früher brachte man gerne Kaiser und Könige mit einem wohlschmeckenden Pilzgericht um die Ecke!“ beschreibt Dr. Anita Engler mit trockenem Humor die extrem schnelle, tödliche Wirkung einiger Pilze.

Der Knollenblätterpilz – VORSICHT! Extrem giftig!

Eine Teilnehmerin hatte gerade auf der Fahrt zur Pilzwanderung im Radio gehört, dass 30 Menschen nach einer Feier mit selbstgesuchten Pilzen ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten und sogar in den Fernsehnachrichten wird gerade vor dem „naiven“ Pilze suchen ohne Expertenrat gewarnt.

Extrem giftige oder berauschende Pilze
Zu diesem Thema haben die Pilz-

Wunderbare Pilzwanderung zum Stiftungsland Ahrense

Sachverständigen z.B. den Grünen Knollenblätterpilz mitgebracht. Wir schauen diesen unschuldig aussehenden, hübschen Pilz genauer an. „Der ist extrem giftig! Schon eine klitzekleine Menge reicht aus und führt zur tödlichen Pilzvergiftung. Die Leber versagt. Wer eine Vergiftung überlebt, der braucht eine Lebertransplantation. Selbst durch kochen oder braten geht das extrem giftige Amanitin nicht weg. Der grüne Knollenblätterpilz wächst bevorzugt unter Laubbäumen (Eiche und Buche) aber auch unter Nadelbäumen. Er kann schnell verwechselt werden. Nur 75 Gramm reichen, einen Erwachsenen zu töten. Wer den Genuss überlebt hat, beschreibt den Geschmack sogar als gut, leicht nussig!“ Aha, Pilze tarnen sich also geschickt. Den Fliegenpilz kennt ja nun jedes Kind aus den Märchen, aber ein unschuldiger, hübscher Knollenblätterling ist noch viel viel giftiger, stellen wir fest! Denn die Wirkung des Fliegenpilzgiftes ist wohl eher gemeinhin als „Hasch- oder Deliriumpilz“ zu beschreiben. Auch nicht gerade vertrauenerweckend…

Über Wiesen, Wälder und Lichtungen

Die erfahrenen Pilz-Wanderungsleiterinnen führen uns über wilde Feldwege, über eine idyllische Eiderbrücke hin zum Stiftungsland Ahrensee/Westensee. Wilde Blumenwiesen sind heute nicht so sehr das Pilzrevier. Da wachsen kaum Pilze, aber viele schöne Libellen,

Neugieriger Grashüpfer auf der wilden Blumenwiese

zutrauliche Grashüpfer und Schmetterlinge sind unterwegs. Aber im angrenzenden Waldstück finden wir einige Exemplare. „Es war zwar sehr feucht und warm in diesem Sommer, aber es sind noch nicht so viele Pilze zu finden wie sonst. Woran das liegt? Das weiß ich auch nicht!“ so Vivien Hauser. Sie hält ein Stück Holz hoch. „Schaut mal hier. Ganz viele Goldgelbe Zitterlinge. An diesem Beispiel kann man gut erklären, dass Pilze mind. 3 Aufgaben haben! Sie zersetzen das Holz – übrigens sind im morschen Holz auch noch ganz viele Pilze – sie leben also davon, aber andere Tiere und Pflanzen leben wiederum von den Pilzen. Sie helfen ganz entscheidend im Ökosystem. Sie schaffen Lebensräume und sind wiederum Lebensraum oder Futter. Diesen Pilz lassen wir mal hier. Der ist ungenießbar!“

Pilze am Baumstamm – keine Seltenheit und es gibt viele Arten!

Naturgenuss mit Pilzen – gut und gerne – aber bitte vorher informieren!

Wie ist es nun mit dem pilzigen Naturgenuss? „Bitte immer, bei Unsicherheiten, vorher fragen. Die Kieler Pilzfreunde e.V. und die Pilzsachverständigen sind immer für Fragen und genaue Bestimmung da! Dafür den ganzen Pilz aus der Erde drehen und mitnehmen. Wichtig: Bitte merken Sie sich den Platz, wo sie den Pilz gefunden haben und machen gerne auch ein Foto zur Bestimmung. Denn die Umgebung ist sehr wichtig für die Bestimmung. Was für eine Bodenbeschaffenheit, welche Bäume wachsen drumherum, ist der Platz schattig oder sonnig.“ so die Experten.

Was ist das für ein Pilz?

Das Naturgenussfestival Schleswig-Holstein bietet diese Führung immer Anfang/Mitte August an. Für weitere Fragen stehen die Experten von den Kieler Pilzfreunden gerne zur Verfügung. Auch werden weitere Exkursionen angeboten. Die Kieler Pilzfreunde e.V. sind ein Verein, deren Arbeit auf aktive Mitglieder und Spenden angewiesen ist – vielleicht ein neues Hobby?

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