Kieler Kräuterwanderung für Generationen – ein Wochenendtipp mit Naturgenuss

Renate Voß und Pierre Binder sind schon ein eingespieltes Naturgenussfestival-Paar! Sie: Erfahrene Kräuterspezialistin, von Haus aus Apothekerin mit Hang zur Naturarznei und nun aus Leidenschaft Natur-/Kulturführerin. Er: Experimentierfreudiger Koch mit extremer Leidenschaft für Regionalität und vor allem Qualität. Und beide verbindet die Liebe zu Land, Leuten und dem Naturgenuss!

Renate Voß und Pierre Binder – heute das Kräuterwander-Dream Team

Kräuter für jeden Geschmack

Wir kommen am Ringhotel Birke am Kieler Hasseldieksdammer Gehölz an und werden schon gleich von den beiden Experten herzlich begrüßt. Es haben sich schon einige Teilnehmer eingefunden, die lebhaft über die Kräuter, die Frau Voß am Wegesrand ausgezupft hat, diskutieren. Als die Teilnehmer vollzählig sind, geht es erst mal in den hauseigenen Kräutergarten. Hier grünt und blüht es wie wild!
Liebstöckel, auch Maggikraut aufgrund seines Geschmackes genannt, Petersilie, Dill, Majoran, Thymian, Zitronenverbene, unterschiedlichste Minzarten, Lavendel….kurz alles, was das Koch- und Gourmet Herz erfreut.

Der Kräutergarten des Hotel Birke

3 Generationen – Familienausflug der besonderen Art
Diesmal habe ich meine Mutter, bald 80 und meinen Sohn, bald 17, mitgenommen. Und tatsächlich kamen auf diese Idee noch mehrere Gäste! Denn mal ehrlich: Was macht man sonst mit der Familie, Oma und Opa, an einem Samstag? Schön gemütlich Kaffeetrinken ist ja mal ganz nett, aber so richtig spannend, interessant und was mit Bewegung ist das nun gerade nicht. Und tatsächlich ließ sich mein Sohn schnell von dieser Idee, mit Oma mal was anderes zu machen, „einfangen“. Schon im Kräutergarten hatte Pierre Binder („Mensch Klasse, so ein grosser Junge macht das mit Oma und Mama mit. Das find ich mal super.“) eine klasse Idee, als er den großen Jungen husten hörte. „Hier, Zitronenverbene ist das Kraut, was gegen Husten und Heiserkeit gewachsen ist! Reib mal ein paar Blätter – der Geruch ist schon toll. Und davon ein Tee: Zack, Husten weg!“ Mein Sohn schaute ihn erst fragend an (er war wohl am überlegen, ob das nun so cool ist für einen Teenager) aber dann nahm er doch ein paar Blätter. Schnupperte dran und aus dem fragenden Blick wurde ein breites Grinsen. „Oh, boa. Riecht echt lecker!“ Also, der Anfang war gemacht. Kein latschender Teenager sondern ab dann: Ein sehr aufmerksamer Zuhörer und Seher!

3 Generationen Naturgenuss-Ausflug der alle begeistert

Schritt halten auf Trittpflanzen
Weiter gings auf grünen Trampelpfaden. „Das sind Trittpflanzen.“ Renate Voß hatte so manche „Döntjes“ auf Lager. „Warum Trittpflanzen?“ kam es auch sofort zurück. „Na, weil man drauftritt. Und diese Pflanzen wurden schon von den Römern auf deren Touren unbeabsichtigt mitgenommen. Die Samen an den Sohlen sähten sich selbst aus. Diese Pflanzen ertragen viel und verdichten den Boden. Sie haben keine Konkurrenz von schnell wachsenden Pflanzen und können sich gemütlich ausbreiten. Die Samen sind hart und so werden sie sicher weitergetragen. Der große Wegerich gehört dazu oder das einjährige Rispengras oder auch der Breitwegerich. Wobei der Breitwegerich, genau wie der Spitzwegerich eine tolle Heilpfanze ist! Schon die Römer wussten dies. Einfach die Blätter breitwalzen und in den Schuh tun – es hilft gegen Blasen oder kleine Risse, er wirkt kühlend und wundheilend! Und als Tee gegen Husten, Heiserkeit und auch gut gegen Magenverstimmungen!“ „Oh, und was ist das da, mit den kleinen gelben Blättchen?“ wollte eine Teilnehmerin wissen. „Das ist der gemeine Nelkenwurz. Sie können die jungen Blätter auch als Salat nutzen, schmeckt aber nicht so doll. Er breitet sich schnell aus – und ganz ehrlich, sollten Sie den im Garten haben: Rupfen Sie ihn raus. Da haben Sie keine große Freude dran.“ Renate Voß ist durchaus pragmatisch, stelle ich wieder fest. Das mag ich.

Achillea – nicht nur ein schöner Name

Überall Kräuter und Heilpflanzen – nur mal richtig hinsehen!

„Oh, wie schön, eine rosa Schafgarbe.“ „Ja, lateinisch die Achillea – der Sage nach soll Achilles damit seine Wunden bedeckt und so geheilt haben. Sie wächst praktisch auf der ganzen Welt! Die jungen Triebe können auch im Salat verwendet werden. Sie hat ganz viele, besondere Inhaltsstoffe wie Cumarine, Kampfer, Calium, Eiweiss, ätherische Öle, Bitterstoffe. Der Stengel ist sehr biegsam und gleichzeitig hart, daher schwer zu pflücken! Sie hat große Anwendungsgebiete.“ Der Einfachheit halber hier ein Link http://www.kostbarenatur.net/anwendung-und-inhaltsstoffe/gewoehnliche-schafgarbe/

Wisent – sieht stark aus und schmeckt auch so
Wir kommen vorbei am Wisentgege. Ein Teilnehmer fragt Pierre Binder, der uns begleitet und Fragen zur Zubereitung bestimmter Kräuter beantwortet, wie denn das Fleisch der Wisente schmeckt. „Naja, hm. Wenn ich ehrlich bin: Also nicht so gut wie das der Galloways oder der Highlands! Das Fleisch dieser Rassen ist schon sehr aromatisch und vor allem auch für unsere Essgewohnheiten sehr angenehm. So stark wie er aussieht, so zäh ist er! Das Wisentfleisch ist sehr fest! Wisente waren in den 1920zigern schon ausgestorben und man hat dann diese Rasse von den übrig gebliebenen Zootieren weiterentwickelt. Daher ist es nicht so „richtig Wild“. Inzwischen werden sie auch hier gezüchtet. Das Fleisch bekommt man aber äußerst selten und, wie gesagt, da lob ich mir dann doch das Galloway Fleisch!“ so Pierre Binder. Wir freuen uns nach dieser Aussage schon auf das anschließende Naturgenuss Menü – mit Galloway-Fleisch, wie er uns verrät!

Galloways auf dem Stiftungsland. Ein Erlebnis!

Gutes Tempo auch für betagtere Wanderer
Meine Mutter, und mit ihr auch einige andere betagtere Gäste, können gut das Tempo halten. Wir bleiben immer mal wieder stehen, schauen hier, riechen dort und jeder kommt mit jedem ins Gespräch. Langweilig wird´s sowieso nicht! Uns begleitet Jasmin Birke, die Chefin des Hauses Birke, mit ihrem aufgewecktem Hund. Da die Tiere, wie Rinder oder Ziegen, im Hasseldieksdammer Gehölz auf den Weiden eingezäunt sind und der Hund gut erzogen, ist dies gar kein Problem. Wie auf allen unseren Wanderungen, die nicht direkt über die Wilden Weiden mit den Tieren gehen, sind liebe Hunde erlaubt. Jasmin Birke freut sich, an diesem Samstag Vormittag mal an der Wanderung teilzunehmen. Denn schließlich gehört die Kräuterwanderung mit anschließendem Naturgenussmenü seit ´zig Jahren zu unserem festem Naturgenussfestival Programm. Aber klar, in der Gastronomie ist nicht viel Zeit für Freizeit, wenn auch die Familie nicht zu kurz kommen darf. Daher freut es mich ganz besonders, so nun mal ein bisschen über das Programm, die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und die Ideen der Birke´s zu plaudern!

Gedeckter Tisch für hungrige Kräuterwanderer
Nach gut 2 Stunden lockerem Kräuterspaziergang kommen wir im Hotel Birke und dem Restaurant Fischers Fritz an. Wir freuen uns sehr bei dem Anblick der schön gedeckten Tische und nehmen Platz. Mittlerweile haben sich schon fast Freundschaften entwickelt und auch meine Mutter schwelgt mit Ihrem Enkel in Erinnerungen von früher, wo die beiden noch Himbeeren oder Löwenzahnblüten gepflückt haben.
Eine nette Bedienung – mit Button „ich lerne noch“ – fragt uns nach Getränken. Als mein Sohn einen Zitronenverbene Tee bestellt, war das Lachen und schmunzeln am Tisch herzlich.
Und dann folgte das phantastische Naturgenussmenü mit einem Gruss aus der Küche, dann eine herzhafte Kraftbrühe vom Galloway mit Fleischklösschen und Gemüsestreifen, als Hauptgang dreierlei vom Galloway mit Roastbeef, Roulade und gefüllter Frikadelle und als Abschluss zweierlei Mousse au Chocolate mit Vanilleeis und Kirschgrütze (aus Gründen… kein vollständiges Foto;-))

Dreierlei vom Galloway OP – ohne Pilze;-)

Zweierlei Mousse au Chocolaté mit Vanilleeis und Kirschen – aus Gründen…nicht mehr vollständig.

„Oh, auf meinem Teller ist was gemalt! Schau mal!“ so der Herr mir gegenüber zu seiner Frau. „Hm, das sieht toll aus. Was bedeutet das?“ Wir rätseln. „Ah, ich weiß. Das ist ein OP – ohne Pilze hatte ich bestellt. Sehr aufmerksam!“ Eine kreative Idee der Küche.

Hm. Sooo lecker! Ein toller Samstag vormittag für die ganze Familie mit vielen Entdeckungen, interessanten Gesprächen und leckeren Naturgenüssen geht zu Ende! Vielen Dank an Renate Voß und das Team des Ringhotels Birke! Für nächstes Jahr haben wir schon Termine abgemacht!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.