Hof-und Familienmanagerin mit Sinn für glücklichen Naturgenuss

Johannsen´s Hofladen in Sprakebüll, Nordfriesland. Regionale Spezialitäten vom Angler Sattelschwein, Shorthorn Cattle, selbstgemachte Marmeladen, Holunderblütensirup, Salami, Katenrauch- oder Leberwurst, Weckgläser mit lecker Gulasch und Bolognese, Ziegenmilcheis, Apfel- oder Rhabarberschorle: Kurz, ein Traum für jeden Naturgenüssler. Und mittendrin eine quirlige junge Frau, die den Laden und die Familie fest im Griff hat!

Kristina Johannsen, Lisa Hoeg und Marita Glienke, das Johannsens Hofladen Team

Sprakebüll – ein Dorf mitten zwischen Nord-und Ostsee, im Amt Südtondern gelegen, Kreis Nordfriesland. Also ganz nah an der dänischen Grenze und ganz dicht am Naturschutzgebiet Schwarzberger Moor.
Ein kleines Dorf mit nur rund 240 Einwohnern (alle Dorfteile zusammengerechnet!), davon ein hoher Anteil junge Familien mit Kindern und einen großen Sinn für Naturschutz, Ökologie und regenerative Energien.

Neue Energie für mitdenkende Menschen
Fast alle neuen Energien spielen, dank eines umtriebigen Landwirtes und seiner Familie, eine große Rolle. Solarenergie, Biogas, Fernwärmeversorgung, Elektromobilität und sogar ein eigenes Heizkraftwerk für die Gemeinde sind entstanden. Zurzeit wird eine 8 km lange Biogasleitung nach Leck verlegt, wo Wärme und Strom eingespeist werden sollen. Sprakebüll sorgt also nicht nur für sich, sondern auch für andere!
Für besonderes Aufsehen sorgte Sprakebüll in diesem Jahr mit der hohen E-Auto Dichte!
20 E-Autos auf 240 Einwohnern! Somit hat Sprakebüll die größte E-Auto Dichte pro Einwohner in ganz Deutschland. In Zukunft sollen auch die Landwirtschaftsfahrzeuge mit „Kraftstoff“ aus dem Bürgerwindpark versorgt werden.
Diese Öko-Liebe ist gut organisiert und akzeptiert im Dorf. Es gibt sogar ein eigenes E-Dörpsmobil zum ausleihen!

Hofladen mit viel Liebe zum Detail
In Sprakebüll hat die Familie Johannsen „Johannsens Hofladen“.http://www.johannsens-hofladen.de aufgemacht.
In diesem Jahr sind sie als ausgewählter Partner das erste Mal beim Naturgenussfestival Schleswig-Holstein mit dabei. Gleich mit einem Hoffest – das auch das erste Mal ausgerichtet wird!
Ich besuche die Johannsens an einem Dienstag bei strahlendem Sonnenschein. Ein gepflegtes, uriges Bauernhaus mit schönem Garten steht an der Hauptstrasse. Nebenan mit einer recht neuen „Scheune“, in der sich der Hofladen befindet.

Johannsens Hofladen in Sprakebül

„Moin Moin, hier bin ich!“ höre ich da auch schon aus dem Hofladen fröhlich rufen. Kristina Johannsen, 36 Jahre jung und Chefin des Hofladens erwartet mich bereits, füllt gleichzeitig die Tiefkühltruhe mit frischem Rindfleisch von ihren Shorthorns auf und gibt Marita Glienke, ihrer Hilfe im Laden, Tipps, wie die Marmeladengläser besser im Schrank stehen und welche Wurst heute frisch vom Schlachter kam.

 

Hoffest-Vorbereitungen laufen auf Hochtouren
Sie führt mich durch den schnieken Hofladen, der gut

Ein Mix zwischen Nostalgie und modernster Kühltechnik im Hofladen

bestückt ist mir vielen Weckgläsern mit Marmeladen, Holunderblütensirup aber auch Tiefkühltruhen voller Frischfleisch, Kühlschränken mit frisch eingekochtem Goulasch, Bolognesesauce, Wurst…in den Nebenraum der Scheune, in dem schon für das bevorstehende Hoffest vorbereitet wird. Hier stehen kleine, schön dekorierte Flaschen, Einmachgläser in allen Größen und Formen mit leckerem Inhalt, große Kartons, bemalte Präsentkisten. Kristina geht vor Richtung Weide, wie sie berichtet. Ihr Mann, Finn, ebenfalls 36 Jahre, schaut kurz rein: „Brauchst Du meine Hilfe? Wir

Ein ausgewähltes Sortiment an selbstgerechter Wurst von eigenen Angler Sattelschweinen oder Shorthorn Rind

sind gerade draussen am planieren.“ „Och, ja, eventuell bei den Shortis, auf welcher Weide sind die gerade? Gleich am Hühnerstall. Ok, dann gehen wir da mal hin.“ Gesagt getan! Schon gehts los.
Kurze Frage von mir: „Im Moment ist hier ja noch richtig was los. Im Hofladen neue Ware. Kunden die einkaufen und beraten werden. Trecker die planieren, Leute die Zäune ziehen und die ganzen Tiere in den Ställen oder auf der Weide. Und die große Scheune muss noch fertig ausgeräumt werden?“ Darauf Kristina nur unbekümmert: „Jo. Das sieht gut aus. Wir haben viele Helfer und Freunde und gute Maschinen. Was wir uns vorgenommen haben, das klappt. Und immer gut!“ Klar. Das nehme ich ihr sofort ab!

Bio-Geflügel auf der Blütenwiese
Sie zeigt mir die Hühner – Bio – die im freien Stall und auf der wilden Blütenwiese ein richtig tolles Hühnerleben haben. Auch ein paar Puten sind im extra-Stall. „Alles Bio. Haben wir nun neu in unser Programm aufgenommen. Heute verkaufen wir auch gerade frisch geschlachtete Hühner. Im ganzen Stück oder auch nur z.B. Schenkel. Es scheint, als ob das Bewusstsein für Bio-Geflügel noch nicht ganz so ausgeprägt ist hier in Nordfriesland. Noch sind die Preise auch entsprechend hoch. Die Haltung ist auch aufwändig und nicht ganz so einfach, wie man sich das vielleicht vorstellt.“ Aber das scheint Kristina nicht davon abzuhalten, weiter an ihrem Konzept festzuhalten. Dann eben abwarten, wird schon. Typisch nordfriesisch!

Shorthorns auf der Weide, Angler Sattelschweine im Gehege
Auf unserem Weg zu den Shorthorns treffen wir ihren Vater. Einer der Öko-Pioniere hier im Dorf. Hans Chr. Andresen hilft, wo er kann und wie er Zeit findet.

Angler Sattelschwein Ferkel

Gerade ist er bei den Angler Sattelschweinen. Auch eine Spezialität bei den Johannsens. Die Schweine werden draussen gehalten und können sich so richtig im Matsch suhlen oder im sauberen, mit Stroh ausgestreuten Stall aufhalten.
Weiter gehts zu den Shorthorns. Ein paar Mütter mit Kälbern sind auf der angrenzenden Weide. „Ich mag diese tollen, großen Rinder! Als mein Mann mir das erste Mal davon erzählte, dachte ich nur: Boah, was für riesige Tiere. Ich muss nämlich zugeben, ich habe gehörigen Respekt vor Rindern. Als Kind hatte ich einmal ein nicht so schönes Erlebnis mit einer Kuh – seitdem bin ich vorsichtig.

Shorthorns vor typisch nordfriesischem Horizont mit Windkraftanlagen in der Ferne

Aber diese Shorthorns sind richtig ruhig und freundlich. Das ist ja eine ganz alte Rasse und früher waren die verbreitet hier im Norden. Bis dann der Wahn kam, immer mehr Milch erzeugen zu wollen. Dafür sind sie nicht geeignet. Das wollen wir nicht. Unser Ziel ist es, gutes und gesundes Fleisch zu erzeugen. Und das besitzen diese Shorthorns. Sie sind möglichst das ganze Jahr auf der Weide bzw. auf dem Stiftungsland der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein z.B. oben im Schwarzberger Moor bei Westre oder an der Eider. Die Kälber bleiben mindestens 8 Monate bei den Muttertieren. Das ist für alle gut und gibt glückliche Rinder. Hört sich vielleicht nun naiv an, ist aber so.“

Glückliche Rinder, glückliche Menschen mit Fulltimejob

Wir gehen auf die Weide und die Rinder sind so friedlich, neugierig und von der Angst, von der Kristina sprach, merkt man ihr nichts an.

Neugierig und friedlich lassen uns die Shorthorn Mütter auf die Weide

Sie geht selbstbewusst auf die Weide und schaut sich ihre Shortis an – die Mutterkuhhaltung gibt nicht nur glückliche Rinder, auch glückliche Menschen!
„Wenn Finn am Wochenende sagt: So liebe Familie, wie fahren mal schön an die Eider! Dann wissen unsere Kinder, Klara und Klaas, was los ist. Dann will er zu seinen Shorthorns, die auf dem Stiftungsland an der Eider sind! Da ist immer was interessantes zu sehen oder was zu flicken. Naja, wir sind dann zusammen und haben dort dann unseren Wochenendspaß. Wir haben schon beide einen echten Fulltime-Job! Und nicht nur in der Woche.“

Familien-und Hofladenmanagerin 

Zurück im Laden kommt Lisa Hoeg, im ersten Lehrjahr Hauswirtschafterin bei den Johannsen´s, zu uns mit den beiden Kindern von Kristina und Finn Johannsen. Klara, die fünfjährige Tochter, hat schon mal ihren Schulrucksack gepackt mit den wirklich wichtigen Sachen. Schminksachen, Malstifte…Ich muss schmunzeln, da unterscheiden sich doch Dorfmädchen nicht von den Stadtmädels! Klaas will lieber mit Mama kuscheln, bevor es mit Oma und Opa zum Übernachten geht. Kristina fragt, ob wir denn ein Eis möchten, raus in die Sonne setzen. Klar!

Jahnkes Ziegeneis – ich durfte probieren und bin begeistert!

Es gibt Jahnke´s Ziegeneis – ein tolles Bio-Produkt, was ich nun hier zum ersten Mal probieren darf. Sehr, sehr lecker übrigens. Und nicht, wie ehrlich gesagt von mir befürchtet, mit Ziegenkäsegeschmack. Wie dumm von mir. Schmeckt lecker nach fruchtiger Frucht und sahnig. Toll!
Derweil kommt Marita Glienke, die Fachberaterin des Hoflandes, zu uns und fragt für Kunden nach Lieferterminen. Zack, auch das beantwortet Kristina ohne Nachzudenken – mit Klaas angekuschelt auf dem Schoß, Lisa mit Zettel neben sich stehend und mir weiter erzählend, was alles auf dem Hoffest stattfindet und wieviel noch gemacht wird.

Kristina Johannsen, Familien- und Hofladenmanagerin, eine echte Powerfrau!

Eine echte Powerfrau, für die multitasking kein Wort ist – die macht einfach! Und dabei unbeschwert und fröhlich. Ich glaube, hier ist auch „burn out“ kein Problem. Wenn einem alles zuviel wird, nimmt man sich eben was leckeres aus dem Hofladen und rein in die Natur, zum geniessen und abschalten. Das passt gut zum Naturgenussfestival. Oder?
Also, auf zu Johannsen´s Hofladen.

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